Haltung und Zucht von Chamaeleolis porcus COPE, 1864

Manfred Reisinger


Verbreitung und Beschreibung

 

Im Juli 1999 erhielt ich ein adultes Pärchen von Chamaeleolis porcus, deren Verbreitungsgebiet auf Kuba beschränkt ist. Das Männchen hatte eine Kopf-Rumpflänge von 14 cm bei einer Gesamtlänge von 31 cm. Das Weibchen war mit einer Gesamtlänge von 28 cm und einer KRL von 12 cm nur unwesentlich kleiner. Männchen erkennt man deutlich an zwei weißen Schuppen hinter der Kloakenöffnung, die dem Weibchen fehlen. Die Körperfärbung ist sehr variabel und abhängig von der Stimmung der Tiere und der Umgebung („Falsches Chamäleon“). Sie variiert von hellgrau bis dunkelbraun.

Terrarienhaltung

Da bei dieser Chamaeleolis- Art die Männchen sehr „stürmisch“ sind, wurden beide Geschlechter getrennt untergebracht. Die Terrarien hatten eine Größe von 80cm x 80cm x 120cm (LxBxH). Bei Bedarf kann eine Trennwand aus dem Terrarium entfernt werden, das dann eine Länge von 160 cm hat. Dies hat den Vorteil, dass kein Tier den vertrauten Platz beim Zusammensetzen verlassen muss. Da Chamaeleolis porcus eine versteckte und arboricole Lebensweise führt, wurden viele Äste im Terrarium angebracht. Außerdem wurden beide Terrarien gut bepflanzt. Im Lebensbereich des Weibchens wurde eine 25 cm hohe, mit Kokosfasern gefüllte Plastikbox aufgestellt. In deren Mitte wurde eine Korkrindenröhre (Durchmesser 5cm) stehend untergebracht.

Diese Box sollte später als Eiablageplatz dienen.

Der restliche Boden wurde etwa mit 5cm Sand aufgefüllt. An der Rückwand wurden Presskorkplatten angebracht.

Als Lichtquellen verwende ich zwischen 7:00 Uhr und 20:00 Uhr eine 18 Watt Leuchtstoffröhre. In der Zeit von 8:00 Uhr bis 15:00 Uhr wird ein 100 Watt HQL- Strahler zugeschaltet. Die Temperatur beträgt im Terrarium je nach Aufenthaltsort zwischen 25 und 35°C. Nachts sinkt sie auf zirka 22°C.

Das Nahrungsspektrum dieser Art ist sehr reichhaltig. Angenommen wird jede Art von Insekten wie Heuschrecken, Grillen, Zophobas und Schaben sowie Schnecken. Einmal im Monat bekommen meine Leguane eine nestjunge Maus. Alle Futtertiere werden mit dem Vitaminpräparat Korvimin ZVT bestäubt. Ihren Wasserbedarf decken die Chamaeleolis durch Auflecken von Sprühwasser. Die Terrarieneinrichtung wird täglich morgens und abends übersprüht.

Paarung

 

Nach einer vierwöchigen Eingewöhnungsphase führte ich, die Geschlechter zusammen, indem ich die Trennwand des Terrariums entfernte. Sobald das Männchen das Weibchen erblickte, bewegte es sich darauf zu. Es dauert dann meistens weniger als eine halbe Stunde, bis zur Kopulation. Solange sich das Pärchen zusammen in einem Terrarium befindet, lässt das Männchen das Weibchen keine Ruhe. Daher müssen beide nach zwei oder drei Tagen wieder getrennt werden. Diesen Vorgang des Zusammenführens und Trennens wiederhole ich alle vier Wochen.

Interessant wären Beobachtungen bei der Haltung von einem Männchen mit mehreren Weibchen.

Eiablage und Inkubation

 

Am 8.11.1999 kam es zur ersten Eiablage. Das Gelege bestand aus zwei Eiern. Weitere Gelege wurden im Abstand von 6- 31 Tagen abgesetzt, wobei die Gelegegröße immer ein oder zwei Eier betrug. Abgelegt wurden die Eier immer in die dafür vorgesehene Box, inmitten der Korkröhre. Nach Beendigung des Legevorgangs wurden die Eier aus dem Terrarium genommen und in dafür vorgesehene Plastikdosen überführt.

Nach mehreren Versuchen mit verschiedenen Substraten hat sich bei dieser Art Seramis als das geeignetste herausgestellt. Die Schlupfquote liegt bei Seramis bei 85%. Es ist jedoch nicht ganz unproblematisch, die richtige Feuchtigkeit zu erzeugen, da es keine Faustregel wie bei Vermiculite gibt. Ich bereite das Substrat immer auf folgende Weise vor: Das Seramis wird vollständig in Wasser getaucht und danach abgesiebt. Nach dem Absieben lasse ich es in der Aufzuchtsdose etwa einen Tag lang offen stehen. Anschließend wird die Dose luftdicht verschlossen und ist einsatzfähig. In Betrieb genommen wird sie nur einmal pro Woche zur Frischluftzufuhr kurz geöffnet.

Bewährt hat sich dieses Substrat ebenfalls bei Heloderma, Brachylophus und verschiedenen Gecko- Arten. Probleme gab es jedoch mit der Inkubation von Waraneiern.

Ausgebrütet wurden die Eier mit zwei verschiedenen Methoden: entweder tagsüber bei Zimmertemperatur (25- 27°C) mit nächtlicher Absenkung auf 20- 22°C oder im Brutapparat (Jäger- Kunstglucke) bei 26°C tagsüber. Während der Nacht wurde dieser für sechs Stunden ausgeschaltet, um eine Nachtabsenkung zu erreichen. Das Geschlechterverhältnis betrug bisher mit diesen beiden Methoden 20% Männchen und 80% Weibchen.

Schlupf und Aufzucht der Jungtiere

 

Nach 77 Tagen Inkubationszeit schlüpfte das erste Junge. Auch hier war bereits- wie bei den Adulti- das Geschlecht deutlich zu erkennen. Es handelte sich um ein Männchen. Die Inkubationszeit der anderen Eier betrug zwischen 64 und 96 Tagen. Während der ersten Lebenswochen werden die Jungen einzeln in Plastikterrarien mit den Maßen 27cm x 20cm x 24cm (LxBxH) untergebracht. Licht- und Temperaturverhältnisse entsprechen der Haltung der Adulti. Die Aufzucht ist unproblematisch. Es werden fast alle Arten von Insekten in angemessener Größe gefressen.

Dank

 

Bedanken möchte ich mich bei Herrn Stefan Höß, der mir diese interessanten Leguane überließ und mir immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Ebenso bei meiner Frau, meinem Sohn und meiner Mutter, die mich allesamt tatkräftig bei meinem Hobby unterstützen.

Literatur

 

FLÄSCHENDRÄGER, A. & L.C.M WIJFFELS (1996): Anolis- In Biotop und Terrarium. – Münster (Natur und Tier- Verlag), 207 Seiten.

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