Erfahrungen bei der Haltung und Vermehrung der Kragenechse Chlamydosaurus kingi

Manfred Reisinger

 


Der Lebensraum, Ernährung und Pflege

 

Seit 1990 pflege ich Kragenechsen, darunter zwei vier Monate alte Pärchen. Die Tiere hatten eine Gesamtlänge von 23,9 und 23,2 cm, wovon etwa zwei Drittel auf den Schwanz entfielen.

Das sehr einfach eingerichtete Terrarium mit den Maßen 2,4m x 0,8m x 1,3m, enthält als Bodengrund 5 cm hohen grobkörnigen Quarzsand, eine Wasserschale und einige Holunderäste als Klettermöglichkeit. Am besten eignet sich Holunder, da die sehr robusten Äste eine grobe Rinde haben. Wichtig ist, die Äste stehend zu befestigen, da die Tiere sich immer senkrecht daran festklammern.

Nach meinen Erfahrungen sind Versteckmöglichkeiten nicht notwendig. Entgegen der weit verbreiteten Meinung befinden die Tiere sich nach meinen Beobachtungen nicht immer auf der abgewandten Seite des Astes, wenn man sich im Raum aufhält.

Als Beleuchtung dienen pro Quadratmeter eine Biolux- Leuchtstoffröhre (36W) und eine

80-W-Quecksilberdampflampe. Die Tagestemperatur liegt zwischen 28 und 34°C, wobei sie im Hochsommer an den wärmsten Stellen 40°C erreicht. Nachts sinkt die Temperatur auf 20 bis 23°C ab.

Als Futtertiere dienen alle handelsüblichen Insekten wie Grillen, Schaben und Heuschrecken.

Als nützlich hat sich erwiesen, Jungtiere, die anfangs nicht so gut ans Futter gehen, Wachsmaden anzubieten. Erst ab den 6. Monat gibt man Zophobas. Allerdings habe ich festgestellt, dass jüngere Tiere Zophobas oft nicht gut vertragen und sich teilweise übergeben.

Ihr Appetit ist sehr groß und adulte Tiere neigen gelegentlich zu Verfetten. Die Fütterung erfolgt nur jeden zweiten oder dritten Tag. Eine Abmagerungskur ist sehr langwierig. Meine Tiere sind handzahm und beißen selten. Bei der Fütterung passiert es gelegentlich, dass sie die Finger mit den Futtertieren verwechseln. Ihr Temperament ist am ehesten vergleichbar mit dem der Bartagame.

Schlankere Männchen sind wesentlich aktiver bei der Fortpflanzung. Bei fast jeder Fütterung werden die Futtertiere mit Korvimin ZVT eingestäubt. Auch mit einer Vitaminzusammenstellung aus Basica und Osspulvit gedeihen die Jungtiere prächtig. Die Vorbereitung ist allerdings aufwendiger, da Basica aus einem Granulat besteht und vor Verbrauch erst noch gemörsert werden muß, da das Granulat nicht an den Futtertieren haftet, gelegentlich ergänzen Sepiaschalenbrösel die Kalkversorgung. Zweimal wöchentlich werden die Tiere unter Aufsicht gebadet und anschließend 20 Minuten mit einer Osram-Vitalux-Lampe bestrahlt.

Der Nachwuchs

 

Junge Kragenechsen wachsen sehr schnell. Meine Tiere wuchsen im ersten Jahr einen Zentimeter pro Woche. Wie anfangs erwähnt, hatten sie im Januar 1990 eine Länge von 23,9 cm (23,2 cm) und im September 1990 eine Länge von 60 cm (56 cm). Ein Jahr später waren die Kragenechsen 68 cm (63 cm) groß. Mit 1,5 Jahren werden die Tiere Geschlechtsreif. Die Geschlechtsunterschiede sind bei den Jungtieren sehr gering ausgeprägt. Bis etwa drei Monate lässt sich der Unterschied nur an der Schwanzwurzel feststellen. Die Männchen haben ausgeprägte Hemipenistaschen während bei den Weibchen nur der runde Schwanzansatz sichtbar ist. Bei größeren Nachzuchttieren ist der Schwanzansatz so dick, dass die Hemipenistaschen schwer oder nicht mehr erkennbar sind. Bei adulten Männchen ist der Kopf größer und ausgeprägter und der Körper langgestreckter als bei den Weibchen. Das spektakuläre Aufstellen des Kragens ist bei Jungtieren häufig zu beobachten.

Die geschlechtsreifen Tiere leben in Einzelhaltung und werden nur zur Paarung zusammengesetzt. Ob dies für ein

Winterruhe

 

Im ersten Jahr ihrer Geschlechtsreife hielten die Tiere drei Wochen Winterruhe. Die Tagtemperaturen erreichten 20 °C, nachts fiel die Temperatur auf 17 °C ab.

Vor der Winterruhe wurde die Fütterung eingestellt und die Tiere wurden häufiger als sonst gebadet, was die Darmentleerung anregte. Der Darm muß während der Winterruhe völlig entleert sein. In den nachfolgenden Jahren verlängerte ich die Winterruhe auf sechs Wochen.

Paarung und Eiablage

 

Im ersten Jahr konnte ich keine Paarung beobachten. Etwa neun Wochen nach der Winterruhe verweigerte jedoch ein Weibchen die Nahrungsaufnahme und hielt sich häufig auf dem Boden auf. Sie zeigte gleichzeitig ein auffällig hohes Trinkbedürfnis.

Eine Woche später begann sie zu graben und wiederum eine Woche später stellte ich an die Stelle, wo sie häufig grub eine Schale mit Torf- Sand- Gemisch, welches leicht feucht gehalten wurde.

Jetzt halte ich immer ein oder zwei Stellen im Terrarium feucht, da die Kragenechsen ihre Eier ebenso in den feuchten Quarzsand ablegen. Etwa eine Stunde später begann das Weibchen mit der Eiablage, die 45 Minuten dauerte. Das Gelege umfasste 14 Eier. Noch bevor das Weibchen die Eier zuscharren konnte, legte ich sie in eine Jäger- Kunstglucke, welche feinen Flusssand enthielt. Normalerweise vergraben die Weibchen die Eier vollständig.

Da ich den Sand direkt besprühen kann, wird immer für die richtige Feuchtigkeit gesorgt.

Erwähnenswert scheint mir, dass man getrenntgehaltene Tiere nach der Winterruhe nicht zu früh zusammensetzt, da sonst oft das erste Gelege unbefruchtet ist. Weitere Eiablagen folgten 1991 im Abstand von etwa fünf Wochen. Das zweite Gelege umfasste 15 Eier und das dritte 12 Eier. Beim ersten Gelege fiel ein Ei ein, es war sehr früh abgestorben.

Jungtiere und deren Pflege

 

Nach 87 Tagen schlüpfte das erste Tier und innerhalb von drei Tagen schlüpften alle weiteren Kragenechsen. Sie waren 13,5 cm und 16 cm groß. Alle Jungtiere wurden zusammen in einem Terrarium untergebracht (0,85m x 1,10m x 1,40m). einen Tag später begannen die ersten mit der Nahrungsaufnahme. Es kann passieren, dass einige Tiere in den ersten Tagen schlecht fressen und sich am Boden aufhalten. Diese Tiere müssen dann zeitweilig in ein anderes Terrarium umgesetzt werden. Um eine genaue Kontrolle über die Nahrungsaufnahme zu haben, füttere ich immer mit der Pinzette. Tiere die nicht von der Pinzette fressen, nehmen ihre Nahrung vom Boden auf.

Das Futterangebot ist das gleiche wie bei adulten Tieren, natürlich entsprechend der Tiergröße. Täglich wurde Wasser gesprüht, welches die Tiere aufnehmen.

Nach etwa vier Monaten wurden die Tiere getrennt, da es zu Beißereien in Zehen und Schwänze kam, möglicherweise aus Hunger. Aggressivität wurde nur bei der Fütterung beobachtet.

1992 hatte ich leider keine Nachzuchten, vielleicht weil keine Winterruhe stattgefunden hatte. 1993 beobachtete ich eine Paarung. Das Männchen näherte sich stürmisch mit starkem Kopfnicken dem Weibchen. Dann erfolgte der bei Reptilien bekannte Nackenbiss in den Kragen und eine anschließende nur etwa Sekunden dauernde Kopulation. In diesem Jahr schlüpften 25 Jungtiere.

Letztes Jahr ist mir die Nachzucht erneut gelungen, wobei sich die Nachzuchttiere aus dem Jahr 1991 fortpflanzten. Über die Lebenserwartung von Kragenechsen kann ich aus eigener Erfahrung keine Aussagen machen. Meine ältesten Tiere. Mittlerweile sechs Jahre alt, erfreuen sich immer noch bester Gesundheit.

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© Manfred Reisinger