Haltung und Zucht von Anolis equestris

Manfred Reisinger

 


Einleitung

 

Bei Anolis equestris handelt es sich um eine großwüchsige Art der Insel Kuba, die in mehrere Unterarten unterteilt wird (Schwartz & Henderson 1988, Breustedt 1991). Allerdings lassen sich die von mir gepflegten Tiere keiner der beschriebenen Unterarten zuordnen, sodass diese Frage zunächst offen bleiben muss. Sehr gelungene Zeichnungen der diversen Anolis equestris- Unterarten sind im Internet unter der Adresse http://www.members.fortunecity.com/baleatus/english/care/carggiant.htm nachzusehen. Da sich die verschiedenen Unterarten im Wesentlichen nur in ihrer Färbung und Zeichnung unterscheiden und ich mit den genannten Unterarten keine Haltungserfahrungen habe, möchte ich mich zu dem Thema der Unterartproblematik nicht weiter äußern. An dieser Stelle möchte ich über die geglückte Zucht dieser Tiere im Zeitraum von einer Saison berichten.

Beschreibung und Unterbringung

 

Im März 2001 erhielt ich ein adultes Pärchen. Der Geschlechtsunterschied war deutlich beim Größenvergleich zu erkennen. Das Männchen hatte eine Gesamtlänge von 41cm, die Kopf- Rumpflänge betrug 16cm. Das Weibchen hatte im Vergleich 38cm Gesamtlänge und eine Kopf- Rumpflänge von 14cm. Leider habe ich keine Gewichtsmessungen vorgenommen, jedoch waren die Körperproportionen beim Männchen weitaus massiger. Auch der Kopf ist bei ihm größer und ausgeprägter, ebenso ist er an der verdickten Schwanzwurzel zu erkennen. Bei Erregung stellt er seinen Nackenkamm auf, der im vorderen Bereich eine Höhe von gut einem Zentimeter aufweist und sich bis zum Schwanzansatz verkleinert hinzieht. Dieser Kamm ist beim Weibchen nur ansatzweise zu sehen. Nach Erhalt der Adulti, die zu diesem Zeitpunkt bereits gegen Krankheitserreger behandelt wurden, bezogen sie ein Kunststoffterrarium mit den Maßen 190x80x100cm (LxBxH). Das Terrarium ist voll verschlossen, an der Vorderfront befindet sich unten eine 30cm und an der Oberseite eine 10cm hohe Kunststoffplatte, in denen die Lüftung anhand von runden Plastikgittern (Durchmesser 5cm) im Abstand von 10cm eingearbeitet sind.

Ich bringe sie deshalb im Vorderbereich an, um eine Zugluft zu vermeiden. Diese Bauweise ist für kleinere Terrarien nicht geeignet. Den Abschluss im Vorderbereich bilden 2 Schiebeglasscheiben. Als Lampen dienen im Deckenbereich zwei 18 Watt- Neonröhren. Links und rechts von der Mitte vervollständigen zwei 80 Watt HQL- Strahler die Beleuchtung. Die Neonröhren sind ganzjährig von 7:00 bis 21:00 Uhr (14 Stunden täglich) in Betrieb. Von 8:00 bis 15:00 Uhr schalten sich die beiden HQL- Lampen hinzu. Als Klettermöglichkeiten wurden armdicke Äste und Korkröhren verwendet. Letztere werden auch gerne als Versteckplätze angenommen. Die Rückwand und beide Seiten des Terrariums verkleidet eine in der gesamten Höhe angebrachte Kokosfasermatte, die als zusätzliche Raumausnützung gedacht ist. Als Bodengrund verwende ich Flusssand, den ich aber nur bis zu 2cm auffülle, um unkontrollierte Eiablagen zu vermeiden. Für diese ist extra ein Plastikbehälter (“Uni-Box“) mit den Maßen 45x35x25cm (LxBxH) vorgesehen, die mit Torfziegelerde auf eine Höhe von 15cm aufgefüllt ist. Nur diese wird feucht gehalten. Als Trinkgefäße wurden zwei kleine Wasserschalen auf den Boden gestellt. Ob diese auch angenommen wurde, konnte nicht beobachtet werden. Zur Verzierung und als Sichtschutz dienen Plastikpflanzen.

Haltung und Zucht

 

Da, wie erwähnt, dass Pärchen bereits einige Zeit in Gefangenschaft gehalten wurden, machte die Eingewöhnung keine Schwierigkeiten. Ebenso die Zusammenhaltung beider Geschlechter. Das Weibchen war etwas scheuer. Wenn ich im Raum erschien, verfärbte sie sich gelegentlich von giftgrün in braun. Auffallend war auch, dass sie nicht sofort einen Versteckplatz aufsuchte, sondern erst, wenn ich den Blickkontakt unterbrach. Da sich zum Zeitpunkt des Erhalts der Winter dem Ende neigte, waren auch ihre Aktivitäten entsprechend. Vom ersten Tag an gingen sie ans Futter. Gereicht wurden allerlei Insekten wie Steppengrillen, Argentinische Riesenschaben und vor allem Ägyptische Wanderheuschrecken. Um bei einer unkontrollierten Vermehrung im Terrarium durch Insekten keine Gefahren aufkommen zu lassen, wurde täglich ein Stück Apfel im Bodenbereich für diese bereitgestellt. Da für andere Anolis equestris- Unterarten bekannt ist, dass sie gerne Früchte verspeisen, wurden solche in jeglicher Sorte im oberen Astwerkbereich angeboten und angenommen. Um das Angebot zu erweitern, fanden Alete- Gläser mit Fruchtinhalt Verwendung. Bei jeder Fütterung wurde ein Vitaminpräparat beigemengt. Hierbei ist zu beachten, dass mit Vitaminen bepuderte Insekten dieses nach einiger Zeit abstreifen. Heuschrecken sind in diesem Bezug leichter auszuwechseln, wie Grillen oder Schaben, die eine nächtliche Aktivität bevorzugen. Auch beim täglichen ein bis zweimaligen Sprühen wurde nie beobachtet, ob sie darüber ihren Wasserhaushalt decken, oder ob der bei der Verspeisung von Früchten ausreichend ist.

Zucht

 

Bei der Zucht war kein Zutun meinerseits von Nöten, wie zum Beispiel Erhöhung der Luftfeuchtigkeit oder Größere und längern Lichtintensität. Die Erste Paarung (auf der an der Rückwand befindlichen Kokosfasermatte) konnte am 20.05.2001 beobachtet werden. Die Tiere ließen sich auch durch meine Anwesenheit nicht stören. Die Zweite Kopulation, bei der ich anwesend war, folgte etwa 10 Tage später. Auch hier diente die Kokosfasermatte als Untergrund. Weitere Paarungen konnte ich nicht beobachten. Wie lange die Kopulation andauerte, vermag ich nicht zu sagen, da sie beide Male schon zu Gange waren.

Die erste Eiablage wurde am 29.6.2001, genau 40 Tage nach Beobachtung der ersten Kopulation, festgestellt. Es machte sich bezahlt, dass ich den Bodengrund nur gering mit Sand aufgefüllt hatte, denn das Weibchen nutzte wie bei allen weiteren Eiablagen denn dafür vorgesehenen Plastikbehälter. Die Kontrolle des Eiablageplatzes wird dadurch vereinfacht, dass zwar im oberen Bereich des Terrariums das Astwerk weit verzweigt installiert ist, jedoch am Bodengrund eher dürftig gehalten wird. es ist auch nicht notwendig, den Bodenbereich besonders zu strukturieren, da Anolis equestris als typische Baumbewohner bei entsprechender Terrariengröße niemals auf den Boden gesichtet wurden. Dieser wird nur vom Weibchen zur Eiablage aufgesucht. Weitere Gelege, wobei immer nur ein Ei abgelegt wurde, folgten anfangs im dreitägigen Abstand, am 02.07.2001 und am 05.07.2001. Dann folgte die erste längere Pause und Eiablage Nummer vier folgte am 27.07.2001, zehn Tage später, am 06.08.2001 die fünfte. Ein “Nachzüglerei“ am 05.10.2001 beendete die Zuchtsaison. Das Weibchen machte nach keiner Eiablage einen geschwächten oder abgemagerten Eindruck; dies liegt natürlich am Gelegeumfang und auch an der im Vergleich zur Körpermasse geringen Größe des jeweiligen Eies. Es hatte eine längliche Form von ca. 1,5cm. Ebenfalls zu diesem Zeitpunkt (Mitte Oktober) war auffällig, dass die Nahrungsaufnahme eingestellt wurde. Es war das erste Anzeichen, dass die winterliche Ruhepause begann. Das Weibchen wurde von nun an nur noch selten bei Aktivitäten beobachtet. Selten verließ es nun seinen Versteckplatz, den sie hinter der Kokosfasermatte auswählte. Das Männchen tat es ihr ca. zwei Wochen später gleich.

Inkubation

 

Nach meiner Einschätzung sind die Eier von Anolis equestris subspec leicht inkubierbar. Dennoch kam mir zu gute, dass ich bereits einige Erfahrung mit anderen Riesenanolis und auch mit dem so genannten “Falschen Chamäleon“ (Chamaeleolis porcus) sammeln konnte. Als Brutbox verwendete ich handelübliche Insektendosen mit einer Größe von 10x10x5cm (LxBxH). Einziger Unterschied ist, dass meine dosen voll verschlossen sind und keine Lüftungslöcher aufweisen. Den notwendigen Luftaustausch regle ich dadurch, dass sie täglich geöffnet und kontrolliert werden. Aufgefüllt werden sie mit 125 Gramm Seramis (ist nicht für alle Reptilienarten geeignet), bei einer Beimengung von 30 Gramm Wasser. Es ist darauf zu achten, dass es bevor es mit Wasser vermischt wird, vollständig ausgetrocknet ist. Frisch vom Handel bezogenes Seramis ist meist angefeuchtet und verfälscht das Mischverhältnis. Die Eier wurden jeweils einzeln in den Brutboxen, halb vergraben, untergebracht. Die einzelne Unterbringung ist deshalb notwendig, da Jungtiere nach dem Schlupf sehr aktiv ihrer Box entweichen wollen und dabei andere Eier aus ihrer Angestammten Position bringen. Dies würde den sicheren Tod des darin befindlichen Fötus mit sich bringen. Da ich bei Anolis equestris subspec- Eiern keinen Brutapparat verwende, musste ich einen geeigneten Platz in meinem Reptilienzimmer suchen. Nachdem dieser gefunden war, wurden die Eier bei folgenden Temperaturen ausgebrütet. Tagsüber herrschten Höchstwerte von 25-29°C, wobei dieses Gefälle je nach Witterung und Außentemperatur vorlag. Nachts fiel es jeweils um etwa 5°C ab. Bei Winteranfang wurden auch nächtliche Tiefstwerte von 16°C vom “Nachzüglerei“ gut vertragen. Zuletzt möchte ich nochmals die tägliche Kontrolle ansprechen. Hierbei wird nicht nur der Luftaustausch vollzogen, sondern auch das Kondenswasser, das sich gelegentlich an dem Deckel bildet, entfernt. Auch auf Verfärbung des Substrats (Vorteil Seramis) wird geachtet. Wird es zu hell, ist der Zeitpunkt gekommen, um es nachzufeuchten. Dies wird mithilfe einer Plastikspritze ausgeführt.

 

Meine Faustregel ist: Lieber öfter ein wenig, als einmal zu viel.

Aufzucht

 

Kommen wir nun zu dem Punkt, dass das Herz eines jeden Terrarianers höher schlagen lässt. Am 25.08.2001 schlüpfte das erste Jungtier nach 57 Tagen. Es machte einen sehr kräftigen Eindruck, und der Dottersack war fast vollständig aufgezehrt. Die Färbung war im Gegensatz zu den Adulti dunkler im Grünton und mit drei weißen Querstreifen über den Körper versehen. Auch der typische weiße Seitenstreifen über den Vorderbeinen war deutlich ausgeprägt. Es bezog in den ersten Tagen ei Terrarium mit den Maßen 70x70x100cm (LxBxH). Anfangs dachte ich, dass ich mit diesen für Jungtiere geräumigen Behälter alle nachfolgenden Schlüpflinge problemlos unterbringen kann. Dies erwies sich bald als Fehler. Nach etwa einer Woche stellte ich fest, dass es immer mehr an Gewicht verlor und ich bei dieser Terrarienwahl zwecks Unübersichtlichkeit keine Futterkontrolle hatte. Auch dargereichte Früchte wurden nicht angenommen. Später stellte ich jedoch fest, dass diese von allen Juvenilen verschmäht werden. Daher entschloss ich mich, es mit einem kleinen Plastikbecken mit den Maßen 27x20x23cm (LxBxH) aufzuziehen. Als am 3.9.2001 und am 11.9.2001 weitere Schlüpflinge erschienen, versuchte ich diese beiden in einem Terrarium mit der Größe von 70x50x25cm (LxBxH) unterzubringen. Dieser Versuch musste bereits nach 15 Minuten abgebrochen werden, da die Unverträglichkeit unter den Jungtieren sehr groß ist. Dies äußert sich dadurch, dass sich beide von grün in dunkelbraun umfärbten. Auch die weißen Streifen verblassten. Eines saß auf den Boden, dass zweite im Geäst. Beide stellten ihren Kehlsack auf und drohten sich durch Kopfnicken zu. Dies war zwar lustig anzuschauen, doch um einen Kampf und Verletzungen zu vermeiden, wurden von nun an alle Jungtiere einzeln aufgezogen. Die weiteren Schlupftermine waren: 03.10.2001, 12.10.2001 und das letzte folgte am 02.01.2002. hiermit ergibt sich eine Zeitspanne bei den ersten fünf Eiern von 57-68 Tagen. Das letzte Tier benötigte etwas mehr, nämlich 89 Tage. Dies führe ich darauf zurück, dass meist eine höhere Nachtabsenkung gegeben war. Die Gesamtlänge der Jungtiere lag nach dem Schlupf bei 13,4cm, Kopf-Rumpflänge bei 4,2cm. Im Gegensatz zu den Adulti war zu beobachten, dass sie sich auch häufig auf dem Boden aufhielten. Das führe ich aber auf die geringe Terrariengröße zurück. Auffällig war auch, dass sie in den ersten beiden Wochen sichtlich an Gewicht verlieren und einen wesentlich schlankernen Eindruck hinterließen, als frisch nach dem Schlupf. Es ändert sich nach den ersten Nahrungsaufnahmen und sie legen ein gehöriges Wachstumstempo vor. Angenommen wurden in den ersten Monaten Insekten jeglicher Art, natürlich war auf die Größe des verabreichten Futters zu achten. Als Lieblingsfutter nahmen sie frisch geschlüpfte Heuschrecken. Auch bei den Jungtieren wurden die Insekten immer mit Vitaminpräparaten, gleich wie bei den Adulti, eingestäubt. Zurückgebliebene Insekten im Behälter wurden zweimal wöchentlich, im Wechsel mit frischen, ausgetauscht. Früchte wurden bis zur Abgabe (12 Wochen) verschmäht. Auch bei Jungtieren wurden jeweils eine kleine Wasserschale im Terrarium untergebracht ohne das zu sehen war, dass sie auch zum Trinken verwendet wurde. Auch beim täglichen Sprühen war selten eine Wasseraufnahme zu beobachten. Im Gegenteil, wenn ich sie direkt ansprühte, erfolgte eine sofortige Flucht. Ein Geschlechtsunterschied war sehr schwer wahrzunehmen. Ein kleiner Unterschied war am ehesten noch am Rückenkamm festzustellen, doch das mit großem Vorbehalt.

Danksagung

 

An dieser Stelle möchte ich mich wiederum bei meiner Familie bedanken, bei meiner Mutter, bei meinem Sohn Heiko und vor allem bei meiner Frau, ohne diejenigen keine so umfangreiche Reptilienhaltung möglich wäre. Zuletzt auch bei meinem Freund Stefan Höss, der mir die Tiere vermittelte.

Literatur

 

Breustedt, A. (1991): Anolis equestris Merrem.- Sauria Suppl., Berlin, 13 (1-4): 207-212.

Schwartz, A. & R.W. Henderson (1985): A guide to the identification of the amphibians and reptiles of the West Indies exclusive of Hispaniola.- Milwaukee Publ. Mus.: 165 S.

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© Manfred Reisinger